Ihre Vielfalt ist ihre Stärke

Bild: Hiermeier
Mit dem Projekt „Gemeinsam Boden gut machen“ fördert der NABU zusammen mit unterstützenden Firmen gezielt den ökologischen Landbau. 2022 gehörte der Biokreis-Betrieb der Familie Hiermeier zu den Preisträgern. Ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury waren nicht zuletzt die vielseitigen Biodiversitätsmaßnahmen des Betriebs.
„Familie Hiermeier ist es gelungen für ihren Bio-Betrieb ein stimmiges, individuelles Konzept zu entwickeln und ihn zukunftsfähig aufzustellen“, heißt es in der Begründung der Jury, die im vergangenen Jahr den Familienbetrieb Hiermeier als Preisträger des NABU-Projekts „Gemeinsam Boden gut machen“ ausgewählt hat. Mit dem Projekt werden landwirtschaftliche Betriebe unterstützt, die auf Ökolandbau umstellen möchten oder die Umstellung vor Kurzem abgeschlossen haben. Sie sollen auf dem ökologischen Weg bestärkt werden und erhalten eine Fördersumme zur Weiterentwicklung ihres Betriebs.
Das ausgezeichnete Betriebskonzept der Familie Hiermeier nutzt Vielfalt in jeder Hinsicht als Stärke: Auf dem Acker, im Hofladen und im Umgang mit den natürlichen Ressourcen, die in ihrer Vielfalt erhalten und gefördert werden. Familie Hiermeier hat sich auf den Anbau von vielfältigen Sonderkulturen wie Kürbis, Hanf, Mohn, Sonnenblumen, Öl-Senf und Lein spezialisiert. Deren Sämereien werden auf dem Betrieb zu Öl und gebrannten Kernen veredelt und direkt vermarktet. Die vielfältigen Kulturen auf dem Acker bieten nicht nur attraktive Angebote für den eigenen Hofladen, sondern schaffen auch echte Vielfalt auf dem Acker. Und die kommt Bienen und anderen Insekten zugute, die hier reichlich Nahrung finden.
Auf diesen Feldern blüht es vom Frühling bis zum Spätherbst
„Wenn es blüht, dann summt und brummt es bei uns“, erzählt Niklas, ein Sohn des Betriebsleiters Markus. Seit Jahren legt der Betrieb Wert auf eine vielfältige Fruchtfolge mit Zwischenfrüchten, Leguminosen und Luzerne-Kleegrasmischungen. Nach und nach wurden immer neue Sonderkulturen in die Fruchtfolgen integriert. In den Reihenkulturen Sonnenblumen, Blaumohn und Ölkürbis werden Weißklee-Untersaaten eingebracht. Durch die Vielfalt der blühenden Kulturen finden Insekten das ganze Futterjahr hindurch Nahrung. Hier lockt sie nicht nur ein Blühstreifen am Feldrand; die Hauptkulturen selbst sind Nahrungsquelle für Fluginsekten.
Das Besondere: Betrieb und Natur profitieren gleichermaßen: „Uns ist die Kombination ganz wichtig: Wir wollen für unseren Hof die Wirtschaftlichkeit sichern, aber wir wollen zugleich etwas für die Biodiversität tun“, erzählt Betriebsleiter Markus Hiermeier. Das gelingt durch Produkte aus Ackerfrüchten, die nicht jeder Hofladen zu bieten hat. Angefangen beim Kürbis kamen nach und nach immer mehr unterschiedliche Kulturen dazu, die für Vielfalt im Hofladen und für abwechslungsreiche Ackerstrukturen sorgen. „Regionalität, Nachhaltigkeit und Ökologie gehen mit der Wirtschaftlichkeit des Betriebs einher. Wir bauen alles an, was bei uns möglich ist“, ergänzt Niklas.

Vielfalt macht widerstandsfähig
Die Auswahl der Früchte erfolgt nach Interesse, Anbauvoraussetzungen und Vermarktungschancen. Auch wenn nicht jeder Anbauversuch sofort klappt, ins Blaue hinein geht die Familie nicht vor. Bei jedem Schritt wird abgewogen: Wie fügt sich die Pflanze in einen gesunden Kreislauf ein? Was tut sie für den Boden? Welche Untersaaten könnten hilfreich sein? Und natürlich: Wie lässt sich das Erntegut in die Wertschöpfung des Betriebs integrieren?
Die unterschiedlichen Kulturen, die auf dem Acker stehen, wirken sich positiv auf Tier- und Pflanzenvielfalt aus und stellen einen gesunden Kreislauf her. Der Weißklee beispielsweise ist in vielfacher Hinsicht nützlich: Bei wenig dichten Beständen wie dem Blaumohn hilft der Weißklee als Untersaat dabei, die Beikräuter zu unterdrücken und den Boden im Frühjahr zu bedecken. Das ist in Zeiten zunehmender Frühjahrestrockenheit ein Vorteil, weil die Wasserverdunstung gebremst wird. Zugleich bringt der Klee Stickstoff in den Boden. Und wenn der Mohn im Juni heranreift, wenn der Weißklee besonders dicht wächst und mehr Wasser zieht, unterstützt er den Mohn beim Abreifen.
So hilft das Zusammenspiel verschiedener Pflanzen dabei, knappes Wasser effizient einzusetzen und knappe Ressourcen optimal zu nutzen. Fehlschläge durch unvorhergesehene Wetterereignisse bleiben in Zeiten des Klimawandels dennoch nicht aus. Dann helfen die vielen Variationen in der Fruchtfolge, denn sie geben Sicherheit durch Vielfalt: „Die eine schafft’s, die andere nicht“, meint Niklas. „Das gibt uns einen Puffer.“
Bodenpflege ist besonders wichtig
Die Vielfalt macht sich auch bei der Bodenpflege gut, denn einzelne Kulturen bringen Eigenschaften mit sich, die helfen können, den Boden fruchtbar zu halten. Markus schwärmt besonders für den Hanf, dessen tiefe Wurzeln den Boden aufschließen und auch schwere Verdichtungen auflösen können. Das Hanfstroh, das sie wieder mit dem Grubber einarbeiten, bringt zudem organische Masse in den Boden und befördert
das Bodenleben. Überhaupt ist den Hiermeiers die Bodenpflege besonders wichtig. Auf den Pflug verzichten sie ganz, und wo immer organisches Material übrigbleibt, wird es dem Boden zurückgegeben. Zwischenfrüchte gehören selbstverständlich ebenfalls zum Konzept.
Es ließe sich an dieser Stelle von noch vielen weiteren Maßnahmen auf dem Hof der Familie Hiermeier berichten, die der Biodiversität – und dem Betrieb – zugutekommen: von Uferbepflanzungen und
Gewässerschutzstreifen, von extensiv bewirtschafteten Grünlandflächen, die mit dem Doppelmesser gemäht werden, von 40 Streuobstbäumen, die neu gepflanzt wurden. Mit dem Streuobst haben die Hiermeiers langfristig viel vor: Die Äpfel und Birnen sollen als Saft, Most oder Brand das Angebot ihrer Direktvermarktung erweitern. So wird Vielfalt zur Stärke – für den Betrieb und für die Arten, die vom Lebensraum Streuobstwiese profitieren.