Wappnen für zu warme Winter

Von Gastautor:in | Gepostet am 08.11.2023

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Der Klimawandel als Herausforderung für die Bienengesundheit.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Imkerei werden in den letzten Jahren immer deutlicher, besonders bei den Extremen: Die Überschwemmungen im Sommer 2021 oder die Brände am Mittelmeer dieses Jahr sind solche Beispiele. Auf Sardinien und Sizilien haben Extremtemperaturen bis 49°C (im Schatten) Hunderte von Völkern getötet. Bei diesen Extremen geht es um Leben und Tod – oder zumindest um große Schäden. Für die Gesundheit der Bienen im Klimawandel spielen auch Parasiten eine Rolle, genauso wie die Ernährung.

Varroa bei steigenden Temperaturen

Das Erste, was einem bei „Bienengesundheit“ in den Sinn kommt, ist die Varroa-Milbe. Diese vermehrt sich in den verdeckelten Brutzellen. Solange Brut in den Völkern ist, steigt der Befall also. Im Winter gibt es eine Brutpause, der Befall steigt also nicht weiter. Darauf basieren die Behandlungskonzepte der Bieneninstitute in Deutschland: eine Sommerbehandlung nach der Honigernte, eine Winterbehandlung im brutfreien Volk. Dieses Konzept könnte nun durch den Klimawandel ausgehebelt werden.

In vielen Regionen gibt es im Winter keine deutliche Brutpause mehr. Viele Völker brüten durch oder gehen nur kurz aus der Brut. Das wirkt sich auf die Behandlung aus: Oxalsäure, mit der die meisten behandeln, wirkt nur auf die Milben auf den erwachsenen Bienen. Sobald Brut da ist, sinkt die Wirksamkeit beträchtlich. Die Völker starten mit einem deutlich höheren Befall in die nächste Saison. Beobachten und genaues Abpassen ist daher wichtig.

In Italien, wo diese Situation schon länger auftritt, werden die Königinnen im Winter gekäfigt. Bis zu drei Monate halten sie das gut aus und die Völker entwickeln sich im Frühjahr positiv. Solche Maßnahmen werden an deutschen Bieneninstituten für unsere Verhältnisse getestet. Eine generelle Empfehlung gibt es noch nicht. Die Methodik könnte in Zukunft jedoch Fuß fassen, um die Imkerei an die geänderten Bedingungen anzupassen.

Der Klimawandel wirkt sich in vielerlei Hinsicht auf die Bienengesundheit aus. In Zukunft werden wir Strategien entwickeln müssen, um uns an diese Änderungen anzupassen und weiterhin mit gesunden Völkern zu imkern.

Claudia Garrido

Im Sommer gibt es durch die hohen Temperaturen oft Probleme mit der Ameisensäure. Ist es zu warm, verdampft sie zu schnell und kann die Völker schädigen. Bei hohen Temperaturen wird empfohlen, spätabends zu behandeln, damit die Ameisensäure-Konzentration über Nacht langsamer ansteigen kann. Allerdings sind auch die Sommernächte in den letzten Jahren oft deutlich wärmer als 15 bis 18°C, bei denen Ameisensäure besonders gut wirkt und verträglich ist. Thymol ist eine Alternative, die bei höheren Temperaturen verträglich bleibt, allerdings mit dem Nachteil, dass die Behandlung länger dauert.

Einige Krankheiten brauchen Wärme

In Sachen Bienengesundheit könnte der Klimawandel noch viele andere Auswirkungen haben. Vor einigen Krankheiten sind wir durch unser kühleres Klima noch relativ geschützt. Da wäre Nosema ceranae, welche in Deutschland im Moment noch keine größeren Auswirkungen hat. Im Mittelmeer-Raum ist dieser Darmparasit aber die zweitwichtigste Bienenkrankheit – nach der Varroa.

Besonders akut wurde es in Spanien in den Jahren 2004 und 2005, als viele Völker an Nosema ceranae eingingen. In anderen Mittelmeerländern ist dieser Erreger ebenfalls ein Problem, wenn auch die Verluste nicht so groß wie in Spanien blieben. In Mittel- und Nordeuropa kommt der Darmparasit ebenfalls häufig vor. Er hat die heimische Art Nosema apis nahezu vollständig verdrängt. Aber in diesen Regionen scheint dieser neue Erreger keine Völkerverluste zu verursachen.

Das liegt anscheinend auch an den Temperaturen. Größere Kälte verträgt dieser Darmparasit nicht. Unser Klima wird jedoch immer „mediterraner“: warme trockene Sommer und milde, regnerische Winter. Die Vermutung, dass Nosema ceranae auch bei uns bedeutender werden könnte, liegt daher nahe. Behandlungen gibt es bisher nicht, allerdings gute Daten für Futterzusätze, die den Erreger in Schach halten.

Exotische Parasiten und Schädlinge

Varroa und Nosema ceranae haben einen gemeinsamen Ursprungswirt. Beide kamen auf der asiatischen Bienenart Apis cerana vor und sind auf unsere Bienen übergesprungen. Solche Einwanderer könnte es mit steigenden Temperaturen häufiger geben. Ein Kandidat wäre zum Beispiel die Tropilaelaps-Milbe. Diese lebt auf Riesenhonigbienen, Apis dorsata. Für asiatische Imker ist sie das weit größere Problem als Varroa. Bisher waren wir durch die Brutpausen geschützt, mit denen dieser Parasit nicht so gut klarkommt. Umso wichtiger, keine „Paketbienen“ unklarer Herkunft zu bestellen. Solche Regeln halten exotische Krankheiten zumindest teilweise unter Kontrolle.

Winter mit Schnee und eindeutiger Brutpause sind inzwischen eine Seltenheit. Das wirkt sich auch auf die Bienengesundheit aus. Bild: Pixabay

Bienentransporte sind wahrscheinlich auch verantwortlich für den Kleinen Beutenkäfer in Süditalien. Bisher scheint er sich nicht weiter in den Norden ausgebreitet zu haben. Es besteht aber weiterhin die Gefahr neuer Einfuhren – ob aus Unwissenheit oder fehlender Sorgfalt. Auch hier gilt: keine Paketbienen aus Regionen, in denen der Kleine Beutenkäfer vorkommt! Aus Süditalien wird keine Massenvermehrung wie aus den USA oder Australien berichtet. Die Empfehlungen für den Umgang mit diesem Schädling sind in Europa meist gute Praxis. Das mildere Klima der letzten Jahre in Deutschland würde dem Kleinen Beutenkäfer inzwischen angenehmere Bedingungen bieten als noch vor einigen Jahren.

Gesunde Bienenernährung

Honigbienen brauchen vielfältige Pollen- und Nektarquellen, um sich gesund zu entwickeln. Im Spätsommer und Herbst ist eine gute Pollenversorgung besonders wichtig, um den großen Fettkörper der Winterbienen auszubilden. Dieser ist Speicherorgan und spielt bei der Abwehr von Krankheiten eine Rolle. Im Spätsommer und Herbst ist das Blühangebot meist gering und durch die Trockenheit oft weiter eingeschränkt.

Eine Langzeitstudie aus Frankreich hat gezeigt, dass Sammlerinnen für den Nektar auf Massentrachten wie Raps fliegen. Für den Pollen bevorzugen sie aber Vielfalt, da reichen blühende Felder nicht aus. Vielfältige Pollenquellen wirken sich zudem positiv auf die Abwehr von Viren und die Überwinterung aus. Die Vielfalt ist jedoch durch den Klimawandel bedroht, was sich wiederum auf die Bienengesundheit auswirkt. Maßnahmen, um den Rückgang an Biodiversität aufzuhalten, wirken sich also positiv auf die Bienengesundheit aus.

Fazit: Der Klimawandel wirkt sich in vielerlei Hinsicht auf die Bienengesundheit aus. In Zukunft werden wir Strategien entwickeln müssen, um uns an diese Änderungen anzupassen und weiterhin mit gesunden Völkern zu imkern.

Gastautor:in

Dr. Claudia Garrido

Wissenschaftlerin und freiberufliche Beraterin für Bienengesundheit in Landwirtschaft und Tiermedizin