Grüne Monumente – die Hecke als landwirtschaftliches Strukturelement

Von Ronja Zöls-Biber | Gepostet am 02.04.2024

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Die Hecke ist ein landwirtschaftliches Strukturelement, das über lange Zeiträume wirkt. Biokreis-Landwirt Jochen Fritz weiß um ihre Stärken.

Jochen Fritz

Sie bringen Struktur in ausgeräumte Landschaften, brechen den Wind, mindern Erosion, stellen Lebensraum für mehr als tausend Arten zur Verfügung, für Vögel, Insekten und Wild: Hecken beeindrucken mit vielschichtigen Vorteilen. „Ich habe das Gefühl, dass einige Landwirt:innen jetzt bereit sind, in Strukturelemente zu investieren“, sagt Biokreis-Landwirt Jochen Fritz, der ein Jahr lang die BaumLand-Kampagne der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) als Hecken-Beauftragter betreute, sich als solcher für Förderungen einsetzte und entsprechende Projekte begleitete.

Die Hecke sei eine klare Maßnahme für den Klimaschutz. Die Finanzierung dürfe daher nicht aus dem Betrieb kommen. „Für Streuobst gibt es viele Bündnisse, für Hecken nicht“, bedauert er. Eine Vernetzung von der Planung über die Pflanzung bis hin zur politischen Förderung ist daher das Ziel der BaumLand-Kampagne.

Bei Erntehecken braucht es Bio-Pflanzgut

Vor allem für größere Schläge von bis zu 100 Hektar bringe die Etablierung von Hecken große Erfolge, etwa durch Taubildung, eine Verbesserung des Kleinklimas und weniger Winderosion langfristig gesicherte Erträge. Jochen Fritz begleitete kürzlich den Hecken-Manager Hermann Wiesing, der in den vergangenen 30 Jahren 200 Kilometer Hecke in Brandenburg gepflanzt hat. Mit Hilfe von Geldern aus dem Programm „Natürliches Erbe und Umweltbewusstsein“ des Landes Brandenburg wurden an den unterschiedlichen Standorten 30 verschiedene Sträucherarten gepflanzt, dazu Zäune gegen Verbiss und Gräben geschaffen, die mit Hackschnitzel aufgefüllt wurden, um angesichts der langen Reihen ohne Gießen auszukommen. Das begeisterte Jochen Fritz sehr. Solche Mengen von Pflanzgut sind als gebietsheimische Gehölze jedoch noch nicht verfügbar, bei der Einrichtung als reine Strukturelemente kann aber mit Ausnahmegenehmigungen gearbeitet werden.

Anders sieht es aus, wenn Hecken auf Bio-Betrieben auch beerntet werden sollen. Dann braucht man im Ökolandbau auch Bio-Sträucher. „Viele Hecken sind verschwunden, weil sie keine Nutzung hatten“, weiß Jochen Fritz, der auf seinem eigenen Betrieb plant, Erntehecken anzulegen. Hier müsse man sich allerdings entscheiden zwischen Naturschutz und Nutzung. Und mit der Nutzung sei man eben aus den Förderprogrammen raus. Ein Anliegen der BaumLand-Kampagne sei es daher, Hecken in das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz zu bringen. Dieses Programm des Bundesumweltministeriums soll dafür sorgen, dass Ökosysteme wie Wälder und Meere gestärkt, wiederhergestellt und bewahrt werden. Bis 2026 stehen für die verschiedenen Maßnahmen insgesamt knapp vier Milliarden Euro zur Verfügung. Ein wesentlicher Bestandteil ist unter anderem die Wiederherstellung und Wiedervernässung von Mooren. „Bei Hecken ist der Einstieg leichter“, sagt Jochen Fritz. „Es gibt eine größere Zugänglichkeit der Landwirtschaft dafür, Sträucher zu pflanzen als Moore zu vernässen.“

Es braucht mehr Bio-Baumschulen, um das Thema voranbringen zu können.

Jochen Fritz

Hecken als neues Standbein?

Auf seinem Nebenerwerbsbetrieb in Werder (Havel), der seit 2015 in einer Gemeinschaft von drei Familien geführt wird und 60 Hektar umfasst, leben 25 Wasserbüffel auf moorigen Flächen, Mutterkühe und Mutterschafe, die in einer Kirschbaumanlage von fünf Hektar weiden, und im Sommer Hühner. Direktvermarktung, Event-Location und der Lernort Bauernhof bilden zusätzliche Standbeine. Der Hof ist in ein stabiles Ökosystem integriert. Da es Obstbäume, kleine Wäldchen, in denen sich die Tiere aufhalten, und allerlei sonstiges Gehölz auf den Flächen gibt, seien Hecken zwar nicht unbedingt notwendig, tragen aber trotzdem noch zu einer Steigerung der Biodiversität bei.

Sanddorn, Aronia, Berberitze – derartige Pflanzen würde das Betriebsteam gerne auf den Flächen etablieren. Die Verfügbarkeit in Bio-Qualität sei allerdings in vielen Gebieten nicht gegeben. „Es braucht mehr Bio-Baumschulen, um das Thema voranbringen zu können“, sagt Jochen Fritz. Auf einem Betrieb wie seinem könne hier möglicherweise sogar eine zusätzliche Arbeitskraft für die Obstwiese, Agroforst-Systeme und Erntehecken beschäftigt werden – verantwortlich für Pflanzung, Pflege, Ernte und Vermarktung. Zwischen 50.000 und 70.000 Euro müsse man für einen Hektar Hecke mit Zaun und zwei bis drei Jahre Pflege rechnen. Nach dieser Zeit haben sich die Hecken selbst etabliert und brauchen nicht mehr viel Pflege.

In Niedersachsen etwa sei im Rahmen der zweiten Säule eine Heckenförderung bereitgestellt worden, die eigentlich für vier Jahre ausgelegt war – nach einem Jahr waren die Mittel vergriffen. „Das Besondere bei dieser Investition: Die Hecke bleibt – für lange Zeit. Wird eine Förderung für ein Blühwiesenprogramm zur Verfügung gestellt und die Förderung fällt wieder weg, verschwindet oft auch die Blühwiese“, gibt Jochen Fritz zu bedenken. „Mit Hecken schafft man sich dagegen Monumente.“

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Ronja Zöls-Biber

Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Redaktionsleitung BioNachrichten