Toni baut einen Stall

Plan für einen Stall-Neubau
Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: steigende Ansprüche an das Tierwohl, neue gesetzliche Vorgaben und der Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit. In unserer neuen Serie „Toni baut einen Stall“ begleiten wir den Biokreis-Berater Anton Reisinger auf seinem Weg zum modernen Bio-Stall. Eine Serie in vier Teilen …

Der einst ausgesiedelte Hof der Reisingers liegt am Rand des Ortes Hohenfels (Oberpfalz), die Weideflächen sind begrenzt, und die neue EU-Weidepflicht stellt die Familie vor eine richtungsweisende Entscheidung: aufhören oder neu bauen? Eine konventionelle Wirtschaftsweise kommt für die Familie nicht in Frage. Die Lösung sieht Toni tausend Meter entfernt, auf eigener Ackerfläche, wo der neue Stall mit Zugang zur Weide entstehen soll. Dort, auf einer zukunftsfähigen Fläche, plant er einen modernen Kompostierungsstall 1 von knapp 1600 Quadratmetern, der nicht nur den neuesten Standards in Sachen Tierwohl entspricht, sondern auch nachhaltig zur Bodenfruchtbarkeit beiträgt. In diesem ersten Teil sprechen wir mit ihm über seinen Status quo, seine Pläne und Visionen.
Hallo Toni, danke Dir, dass wir Deinen Stallbau begleiten dürfen. Wir sind sehr gespannt … Wie sah die Ausgangssituation Deines Betriebs aus?
Unser Betrieb war ein kleiner Hof mit ein paar Kühen, wie es damals üblich war. Mein Opa ist 1961 an den Ortsrand umgesiedelt, um Platz für zehn Kühe zu schaffen. 1980 haben meine Eltern den Stall auf 25 Kühe erweitert und 2000 erneut umgebaut, um 60 Kühe im Laufstall halten zu können. 2008 folgte die Umstellung auf Bio mit Umbau in einen Bio-Laufstall mit Laufhof, da am Hof selbst keine eigene Weidefläche vorhanden ist. Mittlerweile stoßen wir da auch an unsere Grenzen.
Deshalb ist also ein Neubau nötig, oder gibt es noch andere Gründe?
Als die Diskussion um Weidehaltung im Bio-Bereich aufkam, war mir schnell klar, dass ich eine Lösung finden muss, um weiterhin bio-zertifiziert zu bleiben. Da am Hof keine Weidefläche zur Verfügung steht, bleibt nur die eine Möglichkeit: einen neuen Stall zu bauen. Ein weiteres Problem ist der hohe Arbeitsaufwand mit dem alten Stall, der über Jahrzehnte an- und umgebaut wurde. Die Arbeit in einem solchen Stall ist wenig effizient. Mein Ziel ist es, den neuen Stall so zu planen, dass ich den Betrieb so arbeitseffizient wie möglich bewirtschaften kann und die Hauptarbeit allein bewältige. Grund dafür ist, dass meine Eltern dann ihre Rente genießen können und meine Frau weiterhin als Lehrerin halbtags arbeiten möchte.
Außerdem müssen wir aufgrund der neuen EU-Weidepflicht unseren Kühen den Zugang zu Weideflächen ermöglichen. Doch es sind leider keine hofnahen Flächen vorhanden. Das bedeutet, dass ich meine Kühe 500 bis 600 Meter transportieren muss – das ist auf Dauer keine nachhaltige Lösung. Deshalb bleibt nur der Neubau.
Hast Du den Betrieb schon von Deinen Eltern übernommen?
Ja, zum Jahreswechsel. Landwirtschaft ist einfach meine Leidenschaft, und ich möchte auch wirtschaftlich davon leben können. Bio ist für mich selbstverständlich und nicht mehr verhandelbar. Mein Fokus liegt auf Bio-Landwirtschaft, Tierwohl und Bodenfruchtbarkeit. Mit einem Kompostierungsstall will ich nicht nur beste Bedingungen für meine Tiere schaffen, sondern auch die Gülleausbringung reduzieren. Ziel ist es, mit möglichst wenig Düngung die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und langfristig gesunde Flächen mit Humusaufbau zu bewirtschaften.
Wann haben die Planungen für den neuen Stall begonnen?
Erste Gedanken dazu hatte ich bereits 2012 in der Meisterschule in Schönbrunn. Doch konkret wurde es erst im April 2022, als wir die ersten Grundrisse erarbeitet haben. Seitdem habe ich verschiedene Varianten, Systeme und Möglichkeiten recherchiert und durchdacht und mir viele Betriebe angeschaut, die bereits umgebaut oder neu gebaut haben. Eine intensive Auseinandersetzung mit der Stallplanung bis ins Detail war mir wichtig. Ich habe in vielen Betrieben in Bayern, aber auch bis in die Schweiz und Niederlande Einblick bekommen. Für diese wertvollen Gespräche und Besichtigungen möchte ich mich an dieser Stelle bedanken.
Wie integriert sich der Neubau in den bestehenden Betrieb?
Es entsteht eine komplett neue Hofstelle mit Milchviehstall, Kälberstall, Güllegrube und Mistplatte. Die Nachzucht ab vier Monaten bleibt im Winter im alten Stall und kommt im Sommer auf die Weide. Schrittweise sollen weitere Gebäude umziehen, was sich über Jahrzehnte hinziehen wird. Mit dem
neuen Standort direkt an den Weideflächen können wir endlich ein Konzept umsetzen, das wirklich nachhaltig ist.

Wie ist der aktuelle Stand der Bauarbeiten?
In den vergangenen Wochen fanden die Erschließungsarbeiten statt. Für April ist der Bau der Güllegrube geplant, danach folgen der Stall und der Kälberstall.
Welche bürokratischen Hürden mussten überwunden werden? Mit welchen Kosten rechnest Du?
Die Bürokratie hat die meiste Zeit in Anspruch genommen, wahrscheinlich auch, weil ich eher ein Praktiker bin. Die Genehmigung durch das Landratsamt dauerte rund neun Monate. Bei einer Aussiedlung gibt es viele Fragen zur langfristigen Entwicklung des Betriebs. Zudem haben sich Vorschriften während der Planungsphase verändert oder verschärft. Besonders herausfordernd war es, alle Vorgaben in Bezug auf Brandschutz und Naturschutz zu erfüllen. Das Wasserwirtschaftsamt war insbesondere in die Genehmigung der Wasserversorgung und beim Brunnenbau eingebunden.
Zusätzlich brauchte es Emissionsgutachten, und auch der Anschluss an Strom, Internet und andere Versorgungsleitungen war eine echte Hürde. Ansonsten verbraucht ein Milchviehstall nicht viel Energie. Photovoltaik aufs Dach ist geplant, ein Teil davon ist sogar verpflichtend. Eine autarke Stromversorgung mit Sonnenenergie, die unabhängig vom öffentlichen Netz funktioniert, hatten wir ebenfalls überlegt, aber die Umsetzung ist schwierig. Die Kosten sind enorm. Insgesamt rechne ich mit 20.000 bis 25.000 Euro pro Platz für eine Kuh für den gesamten Bau.
Welche besonderen Maßnahmen für das Tierwohl habt Ihr eingeplant?
Wir setzen auf einen Kompostierungsstall in Kombination mit Bio-Haltung, Melkroboter und Weidehaltung – das ist wohl das Beste, was wir für das Tierwohl tun können. Der Kompostierungsstall sorgt dafür, dass die Tiere stets auf trockener und lockerer Einstreu frei liegen können. Den Kompost können wir als natürlichen Dünger für den Humus-aufbau nutzen. So sparen wir Gülle und reduzieren damit die Treibhausgasemissionen, die durch deren Ausbringung entstehen.
Und wie viele Tiere werden im neuen Stall gehalten?
Geplant sind 70 Milchkühe und 22 Kälber.
Was bedeutet dieser Schritt für Dich persönlich?
Der Neubau ist eine Investition in die Zukunft meines Betriebs und meiner Familie. Er ist mein persönlicher Beitrag zur nachhaltigen Landwirtschaft, die auf Tierwohl, Bodenfruchtbarkeit und Bio-Qualität setzt.
Lieber Toni, wir danken Dir sehr herzlich für Deine Zeit und sind gespannt darauf, was Du uns im nächsten Heft über Deine Erfahrungen mit dem Baubeginn erzählen wirst.
Anmerkungen der Redaktion:
1 Ein Kompoststall ist ein Zweiraumstall mit einem eingestreuten Liegebereich, der überwiegend in der Milchviehhaltung eingesetzt wird. In einer Wanne wird organisches Material wie Sägespäne oder Hackschnitzel eingefüllt. Durch die Eigenwärme der Kompostierung mit dem Mist der Tiere, die sich dort bewegen und liegen können, bleibt der Stall trocken und sauber. Dieses Stallsystem bietet hohen Komfort für die Tiere und liefert gleichzeitig wertvollen Dünger für die Landwirtschaft.