Weniger Kraftfutter – mehr Vorteile

Von Gastautor:in | Gepostet am 30.09.2024

Like and share

Auf WhatsApp teilenAuf LinkedIn teilen

Positive Effekte im Überblick. Von Katharina Loibl

„Wirtschaftlich mehr Milch aus Gras produzieren“– zu diesem äußerst interessanten Thema hat das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (kurz BZL) Anfang August ein Online-Seminar veranstaltet.
Als Referent:innen sprachen Dr. Karin Jürgens vom Kasseler Institut für ländliche Entwicklung e.V., Dr. Martin Komainda von der Georg-August-Universität Göttingen sowie Martin Hagemann vom Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem. Dabei wurden das Projekt BioDivMilch des Kasseler Instituts für ländliche Entwicklung und der Universität Göttingen sowie ein praktischer Milchviehbetrieb mit reduziertem Kraftfuttereinsatz vorgestellt. Die präsentierten Ergebnisse zeigen, welche positiven Effekte Betriebe mit reduziertem Kraftfutteraufwand erzielen können:

  • höhere Grundfutterleistung
  • geringere Kosten für (Kraft-)Futterzukauf
  • geringere Tierarztkosten
  • längere Nutzungsdauer der Einzeltiere
  • höherer Gewinn in Euro pro Kuh, wobei auch der Anteil der Subventionen am Gewinn geringer als bei höherer Kraftfuttergabe ist
  • höhere quantitative und qualitative Artenvielfalt im Grünland w Vorteil: höhere Ertragsstabilität und bessere Resilienz gegenüber Trockenheit
  • geringe Stickstoff- und Phosphorüberschüsse

Milchvieh-Betriebe mit reduziertem Kraftfuttereinsatz zeichnet dabei Folgendes aus:

  • hoher Grobfutteranteil vom Grünland
  • höherer Grünlandanteil an LF, Vermeidung von Grünlandumbruch
  • ausgedehnte Weidehaltung
  • Nutzung von Kleegras, Kräuter- und Leguminosen
  • Erzeugung von verschiedenen Grünlandprodukten:
  • vielseitige Grünlandbewirtschaftung und unterschiedliche Grünlandnutzungstypen (Mähweide, Dauerweiden und Wiesen)
  • differenzierte Grünlandnutzung nach Ertragspotenzial und Nutzung der unterschiedlichen Futterqualitäten für die jeweils geeignete Tiergruppe (laktierend vs. Trockensteher vs. Jungvieh)
  • dadurch Beibehaltung extensiver Grünlandnutzungsflächen, neben drei bis vier Mal genutzten auch deutlich weniger genutzte Wiesen und Mähweiden, Naturschutzflächen und AUMGrünlandflächen
  • geringerer GV-Besatz auf der Fläche
  • ausgeglichenes Tier-Fressplatz- und Tier-Liegeplatzverhältnis
  • sowie weitere Maßnahmen zur Förderung der Grundfutteraufnahme
  • keine individuellen Milch-Hochleistungen, dafür mehr Rassevielfalt und auch Nutzung alter Haustierrassen

Fazit: Es lohnt sich, betriebsindividuell den Kraftfuttereinsatz und die Grundfutterleistung zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren. Nähere Informationen zum Projekt BioDivMilch: https://www.kasseler-institut.org/fileadmin/Dokumente/BiodivMilch2/BioDivMilchplus_Projektbrosch%C3%BCre_Vs_final.pdf

Katharina Loibl, Landwirtschaftliche Beratung in Oberbayern Süd
Schwerpunkt: Milchvieh und Fütterung, Grünland, Düngeverordnung

Gastautor:in